Das Familienzentrum für krebskranke Kinder feiert sein Jubiläum

»Ein Zuhause auf Zeit« Mit 100 Gästen feiert das Familienzentrum für krebskranke Kinder in der Friedrichstraße sein 40-jähriges Bestehen. Seit 1986 haben rund 3.500 Familien Halt gefunden. Das Familienzentrum für krebskranke Kinder in Gießen wird durch Spenden getragen.

 

Gießen - Strahlender Sonnenschein am Maifeiertag bescherte den Verantwortlichen des Familienzentrums für krebskranke Kinder in Gießen in der Friedrichstraße die besten Bedingungen zum 40. Geburtstag. Genau 14.610 Tage zuvor, am Maifeiertag 1986, hatten an gleicher Stätte Michaela Müller und Arne Schuch das Band zur Einweihung des damals noch »Ronald-McDonald-Haus« genannten Gebäudes durchschnitten. Prof. Fritz Lampert als Leiter der Station Peiper der Kinderklinik, Gisbert Müller als damaliger Vorsitzender des Vereins Familienzentrum für krebskranke Kinder Gießen und Bundestagsvizepräsidentin Annemarie Renger (SPD) als Schirmherrin waren mit dabei.

 

Zur Feier des 40. Geburtstags konnten die beiden Vorsitzenden Ulrich und Gabriele Till 100 geladene Gäste begrüßen, wobei dem eigens aus Berlin angereisten Arne Schuch ein besonderes Willkommen galt. In einem unterhaltsamen Dialog blickten die Eheleute in ihrer Begrüßungsansprache auf vier Jahrzehnte Engagement, Unterstützung und Menschlichkeit zurück. Schnell wurde deutlich, dass dieser Rückblick kein klassischer Vortrag sein sollte, sondern ein persönlicher Austausch, getragen vom lebendigen Zusammenspiel beider. »Wie schön, dass Sie heute hier sind«, eröffnete Ulrich Till, bevor er den Bogen zurück in die Zeit vor 1986 spannte. Damals engagierten sich betroffene Eltern, um die Situation für ihre krebskranken Kinder und deren Familien zu verbessern.

 

Bedeutende Projekte entwickeln sich

Aus diesen ersten Initiativen entwickelten sich in Gießen bedeutende Projekte wie der Elternverein, die spätere »Tour der Hoffnung« und schließlich die Idee eines Hauses für Eltern. 1982 entstand unter dem Dach der Leukämie-Forschungshilfe der Elternverein für krebskranke Kinder Gießen mit dem Ziel, die Situation der Patienten zu verbessern, Familien zu unterstützen und die Forschung zu fördern. Daraus entwickelten sich weitere wichtige Initiativen: 1993 wurde die Elternstiftung Walter Lahme zur Förderung von Forschungsprojekten gegründet, und bereits 1985 folgte - mit Unterstützung von McDonald’s - die Gründung des Vereins »Familienzentrum für krebskranke Kinder Gießen«.

 

Ein Jahr später wurde in Gießen das erste »Ronald-McDonald-Haus« Deutschlands und zugleich das zweite in Europa eröffnet. »McDonald’s hat erheblich die Werbetrommel gerührt und mit verschiedenen Aktionen nicht nur Gelder zusammengetragen, sondern auch für erhebliche Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gesorgt. Dazu konnte Renger als Schirmherrin gewonnen werden, die die Geschicke des Hauses noch über einige Jahre nach seiner Gründung begleitet hat. Unter anderem hatte damals die Deutsche Krebshilfe mit 250.000 DM (127.823 Euro) die Gründung unterstützt. Heute gibt es in ganz Deutschland »Ronald-McDonald-Häuser« und - so wie wir heute - eine Vielzahl unabhängiger Elternhäuser«, erklärte Till. Er konnte auch die »ärztliche Vertreterin« der Station Peiper, Dr. Ursula Kaufmann, begrüßen, die das Familienzentrum in den ersten Jahren begleitete.

 

Über 87.000 Übernachtungen

Gabriele Till schilderte die Anfangsjahre des Hauses, das von großem öffentlichem Interesse begleitet wurde und vor allem durch engagierte Menschen geprägt war. Im Zentrum der Ansprache stand das Leitmotiv »Ein Zuhause auf Zeit«. Auch erinnerte sie an die erste Hausleiterin Siggi Hafner, später Angelika Schäfer - heute sind Beate Steinmüller und Wilma Schäfer »die guten Seelen des Hauses«. Rund 3.500 Familien mit über 87.000 Übernachtungen haben seit der Eröffnung hier Halt gefunden. »Hinter jeder Zahl steckt eine Geschichte«, ging Ulrich Till der Frage nach, wie dies alles finanziell zu stemmen sei. Neben frühen Förderern wie McDonald’s, der Deutschen Krebshilfe, Tour Peiper und dem Elternverein tragen bis heute zahlreiche große und kleine Spender zum Erhalt des Hauses bei. Ein erheblicher Teil dieser Unterstützung kommt aus Gießen und der Region, zugleich erreichen den Verein aber auch Spenden aus dem gesamten Bundesgebiet. Ergänzt wird dies durch ein geringes Übernachtungsentgelt, das in der Regel von den Krankenkassen übernommen wird. Die Mittel dienen nicht nur dem laufenden Betrieb, sondern auch der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Hauses. In diesem Jahr erfolgte die Erneuerung des Windfangs. Zudem wurden zahlreiche kleinere, aber wichtige Verbesserungen umgesetzt.

Hier geht es zu den Jubiläumsbildern.

Foto: Thomas Wißner

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